Arabische Kalligraphie

Das Seminar Arabische Kalligraphie war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Die Leidenschaft des aus Marokko stammenden Seminarleiters Herr Lahsen Azougaye war vom ersten Moment an zu spüren und seine Begeisterung übertrug sich sofort auf alle Seminarteilnehmer. Diese waren eine bunte Mischung aus verschiedenen Nationen, und so war die Seminarsprache innerhalb kürzester Zeit ein Gemisch aus deutsch, englisch, arabisch und französisch.

Bevor es zum praktischen Teil des Seminars ging, gab Herr Lahsen Azougaye einen kurzen Einblick in die Herstellung des قلم / des Stiftes und der Tinte. Schnell war allen Teilnehmern klar – die Kunst der Kalligraphie beginnt nicht erst mit dem Schreiben von Buchstaben, sondern, wie Herr Lahsen Azougaye es ausdrückte: „… schon der  قلم / Stift ist ein Kunstwerk“. Im Ursprung bestehen sowohl Stift als auch Tinte aus natürlichen Materialien. Der Stift wird mit einem scharfen Messer und viel Kunstfertigkeit so geschnitten, dass er selbst zum alif – dem ersten Buchstaben des arabischen Alphabetes – wird. Basis der Tinte ist Gummi Arabikum, welches durch Zugabe weiterer natürlicher Rohstoffe die gewünschte Farbe erhält, aber – es ist nicht nur ein einfaches Zusammenschütten und Schütteln verschiedener Materialien, so wie die Herstellung des Stiftes selbst schon Kunstwerk ist-,  sondern es beginnt mit der Herstellung der Tinte bereits „die Philosophie“, denn die Herstellung erfordert GEDULD – ein Wort, auf das Herr Lahsen Azougaye immer wieder zurückkam: ein Eigenschaft, die wir vielleicht sowohl im Okzident als auch im Orient ein wenig ´vergessen´ haben. Nichts desto trotz gab Herr Lahsen Azougaye uns Seminarteilnehmern ein paar Tipps, wie man sich auch als ein etwa ´Ungeduldiger´ einen brauchbaren Stift herstellen kann. Dies hat natürlich nichts mit der „Philosophie“ zu tun, die sich bei der geduldigen Herstellungsweise zeigt, wenn ´der قلم /Stift beim Schneiden mit dem Messer durch ein Geräusch „tack“ sagt, was bedeutet: „Ich bin bereit zu schreiben“.

Dann ging es an die Praxis des Schreibens. Auch hier war das Wort Geduld stets Begleiter, was aber der Fröhlichkeit der Seminarteilnehmer keinen Abbruch tat - und so wurde bei den Versuchen ein alif zu schreiben auch viel gelacht. Mit Unterstützung von Herrn Lahsen Azougaye kamen die Seminarteilnehmer sogar bis zu dem Versuch des Schreibens einiger anderer Buchstaben, wobei die Beherrschung des alifs, des ersten Buchstabens, schon sehr grundlegend ist.

Nebenbei erfuhren wir weiteres Wissenswertes über die Kalligraphie, zum Beispiel, dass es 30 verschiedene Arten von arabischer Kalligraphie gibt, wobei wir uns im Seminar auf das Tullut تلت beschränkten.

Gegen Ende des Seminars machte Herr Lahsen Azougaye uns Seminarteilnehmern  noch zwei wunderbare Geschenke: zum einen eine von Herrn Lahsen Azougaye in arabsicher Kalligraphie gefertigte Karte mit einem Wort unserer Wahl und als weiteres Geschenk einem قلم. Vielen, vielen herzlichen Dank.

Am Ende des Seminars bestand bei allen Teilnehmern der Wunsch, dieses fortzuführen um weiter, mit Hilfe von Herrn Lahsen Azougaye und seiner charmanten Art Dinge zu erklären, in die arabische Kalligraphie einzusteigen – oder um es auf die Art von Herrn Lahsen Azougaye zu sagen:“ Kalligraphie ist wie das Dessert nach einem Essen im Restaurant!“ – Und allen Seminarteilnehmern war danach mehr von diesem Dessert zu kosten.

Vielen herzlichen Dank an Herrn Lahsen Azougaye – شكرا جزيلا استاذ احسان ازوجاي